Was ist es? Die Tendenz, Informationen so zu suchen, zu interpretieren und zu erinnern, dass sie das bestätigen, was man ohnehin schon glaubt. Widersprüchliche Hinweise werden übersehen, heruntergespielt oder als „Ausreißer“ abgetan.
Warum passiert das? Unser Gehirn ist auf Energieeffizienz ausgerichtet: Eine bestehende Annahme zu hinterfragen kostet oft mehr kognitive Ressourcen, als eine passende, bestätigende Erklärung zu finden. Bestätigung fühlt sich deshalb häufig einfacher und angenehmer an als Widersprüchliches oder Unbekanntes – besonders unter Zeitdruck oder Stress. Daneben spielen aber auch andere Mechanismen eine Rolle, zum Beispiel das Bedürfnis nach Konsistenz, Motivation und Erwartungen sowie die Art, wie wir Informationen auswählen, interpretieren und erinnern.
Warum wird das im Business gefährlich? Ein Team ist von einer Idee überzeugt: Die erste Runde Nutzer*innen-Feedback war positiv. Späteres, kritisches Feedback wird als Einzelfall abgetan. Am Ende wirkt die Entscheidung evidenzbasiert – ist sie aber nicht, weil widersprüchliche Daten systematisch ausgeblendet wurden. Die eigentlich wichtige Frage, also was vielleicht gerade übersehen wird, stellt dann niemand mehr.
Was hilft dagegen?
- Schreib deine Annahmen mal gezielt auf. Bevor du startest: Was genau glaubst du?
Beispiel: „Ich glaube, Nutzer*innen brechen am Checkout ab, weil sie keine PayPal-Option haben.“ - Such nach einem Gegenbeweis. Frag dich: „Was würde mich vom Gegenteil überzeugen?“
Beispiel: Wenn 8 von 10 Testpersonen den Checkout mit Kreditkarte erfolgreich abschließen, spricht das zumindest dagegen, dass die fehlende PayPal-Option die zentrale Ursache ist. - Verwende neutrale, offene Fragen in Tests und Interviews. Vermeide Suggestivfragen a la: „War das nicht frustrierend?“ formuliere lieber offen: „Wie war das für dich?“
- Hol dir fremde Perspektiven rein. Lass jemanden, der nicht am Produkt mitgearbeitet hat, die Testleitung oder Analyse übernehmen.
Verwandte Begriffe: Assumptions Testing, Survivorship Bias
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